Dienen gerne, aber nicht um jeden Preis

Da ich andere Menschen liebe, diene ich ihnen gerne. Aber dabei ignoriert und ausgenutzt zu werden ist keine Liebe - dann helfe ebene ich nicht.

Aus meinem Verständnis zur Liebe ist es wichtig, dass wir Menschen einander dienen – jeder mit seiner Fähigkeit. Mir macht es viel Freude, andere zu unterstützen.

Aus dieser Überzeugung heraus habe ich fünf Jahre kostenlos Software für andere Menschen entwickelt. Sie habe ich im Internet angeboten – und viele Anwender nutzen sie täglich für ihre Arbeit.

Um die Software anbieten und pflegen zu können, brauche ich ein Internet Anschluss. Aber damit hatte ich in letzter Zeit viele Probleme. Ich habe viele unterschiedliche Angebote angeschaut und mehrere getestet. Dabei habe ich erkannt, dass die Anbieter viel Zeit und Mühe für Ego-Spiele jeglicher Art verschwenden. Aber meine Bedürfnisse beachten sie zunehmend weniger. Entsprechend soll ich immer mehr hinnehmen und bekomme ständig schlechtere Technik.

Inzwischen ist meine Geduld am Ende: Ich lasse mich nicht mehr darauf ein. Also bin ich jetzt zu Hause ohne Internet Anschluss. Um das Problem zu umgehen, habe ich alle möglichen Anbieter gefragt, ob ich ein Zugang ohne Vertrag bekommen kann – eine Antwort habe ich nicht erhalten.

Ohne Internet kann ich meine Software nicht gut entwickeln. Daher habe ich damit aufgehört. Also bekommen die Anwender der Software jetzt Unterstützung und keine Updates. Das stört sie zwar, aber niemand bietet mir Hilfe an.

Der Egoismus des Internet Anbieters und der Anwender meiner Software sind stärker als mein Bedürfnis zu dienen. Immer nur ausgenutzt zu werden scheint mir auch nicht richtig. Fünf Jahre kostenlos zu arbeiten, dafür selbst Geld bezahlen und zunehmen mehr Ärger … nein, das ist keine Liebe mehr!

Als ich vor 18 Jahren anfing, die Software zu entwickeln, habe ich viel Unterstützung bekommen. Die Anwender haben gerne bezahlt und ich habe viel Geld verdient. Irgendwie hat sich die Zeit sehr verändert.

Ein ganz anderes Thema: Vor einigen Jahren habe ich mir eine gute Kettensäge gekauft. Kürzlich trat ein kleiner Mangel auf. Als handwerklich begabter Dipl.-Ing. wollte ich das Problem selbst beseitigen. Dafür brauchte ich aber einen Hinweis des Herstellers. Auf meine Anfrage bekam ich nur die Antwort, dass er grundsätzlich niemals hilft. Ich solle mich an seinen Vertragspartner wenden, damit der die Säge repariert.

Ohne Auto hätte ich ca. 8 km mit einem Taxi zu diesem fahren müssen und für die Reparatur bezahlen sollen. Den Vertragspartner kenne den schon von meinem Rasenmäher – auch er ist sehr ignorant.

Diese Abzocke mache ich nicht mit. Ich habe die Säge schlicht als Müll entsorgt und den Hersteller darüber informiert. Darauf erhielt ich zynische Antwort, dass ich bitte zukünftig neue Geräte von ihm kaufen möge.

Zwei meiner Nachbarn würden gerne Bäume gefällt bekommen. Aber ohne eine Säge kann ich das nicht.

Ich glaube, dienen sollte Freude bereiten. Sowohl dem Gedienten, als auch dem Dienenden. Mir macht Dienen Freude, wenn ich ein entsprechendes Umfeld und das passende Werkzeug habe. Auch möchte ich selbst wählen, womit ich diene. In meinem Fall ist unter anderem Entwicklung von Software und Umsägen von Bäumen.

Um zu dienen brauche ich also gutes Werkzeug. Und ich möchte Anerkennung für meine Mühe. Leider werden meine Ansprüche heute nicht mehr erfüllt. Daher lebe ich jetzt, ohne zu dienen.

So haben alle Menschen nur Nachteile: Die Anwender haben keine Software, die Bäume der Nachbarn bleiben stehen, die Hersteller behalten ihre Werkzeuge, die Internet Anschlüsse werden nicht genutzt. Und ich kann meiner Freude nicht nachgehen: Anderen Menschen dienen.