Leere erleben

Es gibt Zeiten der Leere, ohne scheinbaren Halt. Dann ist es wichtig, auf Gott zu vertrauen und zuversichtlich zu bleiben.

Inzwischen habe ich keine Freunde, keinen Job und keine Hobbys mehr. Ich verbringe meine Tage fast ausschließlich mit meditieren – rund um die Uhr, wenn ich nicht gerade schlafe. Dabei stelle ich mich allen Gedanken, die mir kommen.

Das sind unter anderem welche über den Zustand der Erde und der Menschheit. Die Menschen wollen streiten und wollen alles – nur keine Verantwortung für sich selbst übernehmen. Vielleicht bin ich der Einzige, der sie trägt und in Liebe und Frieden leben möchte. Das macht mich so einsam.

Aber ich habe auch Gedanken über all das Übel, das mir bislang widerfahren ist. Immer wieder kämpfe ich mit ihnen: Ich will liebevolle und schöne Gedanken haben. Wenn mir negative kommen, suche ich immer wieder die Nähe zu Gott. Was mag er von mir wollen? Oft bitte ich ihn, die Übeltäter zu segnen.

Auch bin ich neidisch auf Menschen, die ständig Erfolg haben. Mein Bruder ist einer von ihnen. Inzwischen bitte ich Gott auch sie zu segnen. Das ist zwar nicht gerecht, aber die Menschen können nichts dafür, dass sie immer Erfolg haben.

Mir hilft es Gott zu bitten sie zu segnen. Dadurch bin ich nicht mehr in der Lage wütend oder neidisch auf diese Menschen zu sein, ich liebe sie stattdessen.

Dann schaue ich auf mich. Wie geht es weiter mit mir? Und manchmal werden die Zweifel extrem: Gibt es Gott überhaupt? Warum hilft er mir nicht? 24 h am Tag einsam und ohne jegliche Aufgabe zu sein, gibt keinen Halt. Warum muss ich das durchleben? Was habe ich getan? Was war ich in anderen Leben? Warum gelingt es mir nicht, das zu erkennen und aufzulösen? Sehr viele Zweifel kommen auf – eine Herausforderung innerlich ruhig und gelassen zu bleiben und auf Gott zu vertrauen.

Natürlich denke ich ab und zu an einen neuen Suizidversuch. Bislang hat mein Leben keinen Sinn und mein Leid scheint unendlich zu sein. Zuerst bat ich Gott, mich zu töten – aber inzwischen glaube ich oft, dass er einen Plan mit meinem Leid verfolgt und bemühe mich es zu ertragen.

Ich habe keine andere Aufgabe, als meine Gedanken und Emotionen zu beherrschen und das Leben zu genießen. Sie erfüllt mich. Zwar gibt es immer wieder Stunden, in denen ich keine Zweifel und Sorgen habe. Dafür liege ich aber auch oft nachts wach im Bett mit Ängsten.

Alles für diese Aufgabe habe ich: Endlose Ruhe, niemand stört mich. Auch materiell habe ich alles, was ich will und nichts mehr. Eine Idee, wie ich eine andere Aufgabe bekommen könnte, habe ich nicht: Ich habe keine Lust mehr auf Ego-Spiele und auf Menschen, die sich damit die Zeit vertreiben.

Daher bleibt mir nur, diese Monate so gut es geht zu meistern, weiter auf Gott zu vertrauen und zu warten. Gerne hätte ich irgendeinen Hinweis, wie das Ganze ausgeht. Aber ich weiß ja, es geht um Vertrauen und Liebe. Dafür gibt es keine Beweise.

Auf jeden Fall bete ich weiter: „Vater, mach du aus mir, was du aus mir machen möchtest.“ Und ich hoffe, dass Gott genau dieses macht und einen Plan mit meiner Leere hat.