Erster Suizidversuch

Manchmal erscheint alles sinnlos und ausweglos. Dann gilt es zu verstehen, was Gott will und wie man die harte Zeit übersteht.

Ich durchlebe eine harte Zeit. Niemand ist in meinem Bekanntenkreis, der mich versteht oder es zumindest versucht. Gott ist ihnen egal – und sie bemühen sich auch nicht in Liebe und Frieden zu leben. An etwas anderem habe ich kein Interesse mehr. Da ich auch keine Lust mehr habe mich erpressen oder ausnutzen zu lassen wurde mein Leben immer leerer und ich bin vereinsamt.

Irgendwann hielt ich es für das Beste, wenn ich aus ihm ausscheide. Ich versuchte, mir die Pulsader aufzuschneiden, um daran zu sterben. Warum das Leid hier auf der Erde noch länger ertragen?

Aber es gelang mir nicht: Trotz immer neuer Schnitte erwischte ich die Arterie nicht. Zwar kam viel Blut, aber nur aus Venen, die sich schnell zusammenzogen und die Blutung aufhörte. Irgendwann gab ich es auf und rief Hilfe, die ich auch erhielt. Ich wurde wieder zusammengenäht und landete erneut in der geschlossenen Psychiatrie.

Dort versuchten mir die Psychiater und Psychologen zu helfen, meinem Leben einen Sinn zu geben und mir Kontakte mit Menschen zu ermöglichen. Aber schon in den ersten Tagen wieder zu Hause war mir klar, dass der Versuch gescheitert war: Ich war weiterhin einsam. Zwar fragten mich etliche Menschen, wo ich war. Als ich ihnen vom Suizidversuch und der Psychiatrie erzählte bekam ich aufmunternde Worte – mehr aber nicht. Ich passe nicht zu anderen Menschen.

Gerade habe ich meine eigenen Webseiten wieder durchgelesen. Sie klingen sehr positiv und optimistisch. Und doch muss ich so harte Zeiten durchstehen. Wo ist Gott? Warum hilft er mir nicht? Was will Gott von mir?

Dazu kommt noch, dass das Dach von meinem Haus saniert werden muss und mein Geld zu Ende war. Jetzt hat mein Bruder es mir abgekauft und ich wohne zur Miete in ihm. Erst mal bin ich wieder flüssig und es ist nun seine Aufgabe, das Dach zu sanieren.

Hat Gott das so arrangiert? Hat er meinen Bruder dazu gebracht, mir zu helfen? Ich glaube schon – zumindest bin ich sehr froh über die Hilfe von ihm. Ich liebe ihn.

Leider hat mein Bruder kaum Zeit für mich. Er arbeitet viel und ist sehr beschäftigt. Also bin ich wieder alleine.

Ich glaube, Gott will von mir, dass ich vollständig lerne, meine Gedanken und Emotionen zu kontrollieren. Und das in schweren Zeiten. Erst, wenn ich das gelernt habe, kann Gott mich gebrauchen.

Aber stimmt das auch? Oder habe ich mich total verrannt? Wo ist Gott? Gibt es ihn? Oder hat mein Bruder nur Mitleid?

Fragen über Fragen, aber keine Antworten. Und ich habe viele Stunden am Tag und in der Nacht über alles nachzudenken.

Nichts funktioniert in meinem Leben – gar nichts. Und doch habe ich alles, was ich brauche um es zu genießen und innerlich zu reifen. Vielleicht sollte ich es einfach alles zulassen und mich dem Prozess vollständig hingeben. Ich träume davon mal eine große Aufgabe für Gott zu übernehmen. Von anderen Menschen mit solchen Aufgaben weiß ich, dass sie zuvor auch schwere Zeiten durchgemacht haben.

Bereitet Gott mich auf etwas vor? Oder haben die Psychiater recht und ich bin schlicht sehr krank?

Ein von ihn hat sich viel Zeit für mich in den letzten Wochen genommen. Ich konnte ihn überzeugen, dass der Staat eine Sekte ist. Dennoch hält er mich für krank (Diagnose: Psychose), weil ich teilweise äußerst unflexibel sei. Damit müssten alle Staatsdiener Psychosen haben, da sie ebenfalls alle sehr unflexibel sind, wenn es um ihre Einsicht geht, dass der Staat eine Sekte ist.

Wie dem auch sei. Alles, was ich zu tun vermag, ist ruhig zu bleiben und mich meinen Ängsten zu stellen. Ich habe mich entschieden, das zu machen – auch wenn es noch lange dauert und sehr schmerzhaft ist.

Während des Suizidversuchs kam in einem Moment viel Blut. Ich dachte, nun sei es vorbei mit mir. Aber irgendwie fühlte es sich nicht richtig an. Ich glaube nicht, dass Gott meinen Tod will. Also will er etwas anderes von mir. Ich muss es nur herausfinden …