Gott schickt mich in den Urlaub

Gott versucht gerne, vieles miteinander zu verbinden. Dieses Mal hat er mich in den Urlaub geschickt und mir dort geholfen liebevoller zu werden.

Vor einigen Wochen hat mein Betreuer mir angekündigt, dass ein Richter für eine Anhörung zu mir kommen werde. Ich kenne den ihn: Er ist zuständig, zu urteilen, ob ich in die Psychiatrie eingesperrt werde. Ich vermute, der Richter hat sich für die Anhörung entschieden, weil ich meinen Müll auf die Straße gelegt hatte.

Da ich den Staat nicht mag und mich keinem Richter unterwerfe, habe ich schlicht meinen Suizid angekündigt, sollte er mich besuchen.

Ich kenne den Staat inzwischen gut: Wenn ich mit Suizid drohe, kommen die sofort und sperren mich gerne direkt in die Psychiatrie. Das fand ich blöd – und entschied mich, mein Haus zu verlassen.

Dafür packte ich Bekleidung, die ich bis zum Zeitpunkt der Anhörung brauchte. Das Haus schloss ich nicht ab, legte aber den Haustürschlüssel offen auf den Tisch neben einem Zettel mit „Ich liebe euch“. Dann verließ ich es.

Zu dem Zeitpunkt war mir nicht klar, ob ich Suizid begehen würde. Wieder in die Psychiatrie untergebracht werden wollte ich nicht. Der Richter hatte mir schon mal angedroht, mich dauerhaft einzusperren. Die Vorstellung war für mich nicht schön.

Mit meinem Fahrrad fuhr ich los … und landete 3 Stunden später in einem Hostel direkt in der Hamburger Innenstadt. Dort verbrachte ich die fünf Nächte bis zur Anhörung. Für mich war das schlicht Urlaub.

Seit vielen Jahren kann ich mit einer inneren Stimme kommunizieren. Wer das ist und woher sie kommt, kann ich nicht sagen. Vielleicht ist das meine Seele, ein Schutzengel oder Gott.

Mit dieser Stimme führte ich in der Zeit viele Gespräche. Wir sprachen über mich, meine Ängste, einige meiner Fehler in anderen Leben – und wie ich mit dem Richter umgehen könne.

Dem schrieb ich einen Brief. Im Wesentlichen ging ich auf ihn, seine Irrtümer und Fehler ein. Die Stimme korrigierte mich immer wieder – und wies mich auf weitere Eigenschaften des Richters hin. Das Ganze war ein Prozess über zwei Tage, mit vielen Unterbrechungen.

Am Tag der Anhörung entschied ich mich, wieder nach Hause zu fahren. Mein Geld war fast aufgebraucht – und irgendwie gab es keinen Sinn mehr irgendwo anders zu verweilen.

Mein Betreuer fragte mich in einer E-Mail, ob ich zum Termin zu Hause sei, weil ich bislang ihn nicht bestätigt hatte. Zwei Stunden nach ihm teilte ich ihm knapp mit, dass er mich inzwischen kennen sollte: Ich unterwerfe mich dem Staat nicht. Den Brief für den Richter schickte ich gleich mit.

Das Ganze ist jetzt drei Wochen her. Vom Richter habe ich nichts weiter gehört. Eingesperrt wurde ich nicht.

Ich glaube, meine innere Stimme ist ein guter Coach und Gott hat den Richter abgehalten, mich einzusperren. Die Zeit habe ich genossen und bin im Umgang mit Egoisten liebevoller geworden. Ich glaube, Gott hat das alles arrangiert.