Allgemeine Ordnungen fördern Streit

Viele Menschen glauben durch allgemeine Ordnungen irgendwann in Frieden leben zu können. Das kann nie gelingen, da sie Betrug sind und das Streiten fördern.

Unterschiedliche Arten von Ordnungen

Viele Menschen wünschen sich Ordnung in möglichst vielen Bereichen des Lebens. Ordnungen beschreiben Objekte, ihre Verbindung untereinander, wie sie sich verhalten oder verändern (sollen). Sie zu verstehen ist für Menschen wichtig, um eigene Interessen zu verfolgen und damit selbstständig Ziele zu erreichen.

Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Ordnungen: Einerseits existieren natürliche Ordnungen, die das Leben erschaffen hat. Menschen müssen sich ihnen anpassen. Anderseits gibt es Ordnungen, die sich Menschen ausgedacht haben und versuchen das Leben daran anzupassen.

In vielen Bereichen gefällt Menschen eine natürliche Ordnung nicht. Sie versuchen sie zu ändern. Zum Beispiel haben sie Flüsse begradigt und einige wilde Tiere in ihren Wohnbereichen ausgerottet. Doch mit der Zeit bemerken viele sie, dass es einen Sinn für die natürliche Ordnung gab, und sie versuchen sie wiederherzustellen oder müssen dauerhaft Fehler ihrer Änderung kompensieren. Im Beispiel müssen Menschen beständig Flüsse eindeichen, weil Hochwasser angrenzende Gebiete überfluten und sie müssen ständig den Wildbestand reduzieren, weil seine natürlichen Feinde das nicht mehr machen.

Eigene Ordnungen entwerfen Menschen, um Vorteile gegenüber den natürlichen Ordnungen zu erlangen. Zum Beispiel versuchen Menschen, das Töten von sich selbst zu verhindern, während sie gleichzeitig das Töten von Tieren fördern. Dafür bauen sie Zäune, damit sie nicht in ihre Nähe kommen können und verwenden Gewehre, um sie aus der Distanz zu töten. Indem sie diese Ordnung durchsetzen, bekommen sie Vorteile gegenüber den Tieren. Dieses ist den Menschen aufgrund ihres Verstandes auf vielfältige Weise möglich.

Gerechtigkeit eigener Ordnungen

Menschen formulieren auch allgemeine Ordnungen des menschlichen Zusammenlebens, die für alle von ihnen gleich gelten, sollen und allen gleichzeitig Vorteile zu verschaffen sollen.

Zum Beispiel gibt es die Ordnung, dass auf Straßen Autofahrer schnell fahren dürfen und Fußgänger sie nur betreten dürfen, wenn kein Auto kommt. Diese Ordnung klingt allgemein, aber Autofahrer haben Vorteile durch sie, Kinder jedoch Nachteile. Um dieses Problem zu kompensieren, gibt es zusätzlich Fußwege. Auf ihnen haben Fußgänger – und damit auch Kinder – Vorrang. Autofahrer stellen ihre Autos am Straßenrand ab und überqueren die Fußwege dann als Fußgänger, um ihre Ziele zu erreichen. Sie haben also kein Nachteil von den Fußwegen. Kinder hingegen müssen Straßen überqueren, um ihre Ziele zu erreichen, und müssen sich somit stets den Autofahrern unterordnen. Dadurch gibt es mehr Vorteile für Autofahrer, als für Kinder.

Gleiche Ordnungen gelten also nie gleich für alle Menschen, da viele von ihnen und deren Bedürfnisse unterschiedlich sind. Im Laufe der Zeit wird dieses jeweils erkannt und dann versucht, Ausgleich dafür zu schaffen. Im Beispiel Straßen müssen Autofahrer heute Steuern bezahlen, die auch genutzt werden, um Spielplätze für Kinder zu bauen.

Ob diese Ausgleiche gerecht sind, empfinden die meisten Menschen unterschiedlich, da ihre Interessen unterschiedlich sind. Oftmals sind diese Interessen zusätzlich komplett entgegengesetzt. Und meist verändern sie sich im Laufe des Lebens auch erheblich. Der Versuch mithilfe allgemeiner Ordnungen alle Menschen gleichzubehandeln, ist also stets irgendjemand gegenüber unfair.

Manche Menschen brauchen diese Ordnungen, weil sie eigenständig nicht gut denken und handeln können. Andere Menschen hingegen können es und brauchen Flexibilität, um ihre Potenziale entfalten zu können. Entsprechend bieten allgemeine Ordnungen für manche Menschen mehr Vor- oder Nachteile als für andere.

Die Illusion der Gerechtigkeit

Somit ist Gerechtigkeit eine Illusion, die nie erreicht werden kann. Am deutlichsten wird die Ungerechtigkeit von allgemeinen Ordnungen dadurch, dass erst durch sie einige Menschen extrem reich und mächtig geworden sind: Heute besitzen wenige Menschen mehr als die Hälfte allen Geldes. Und die meiste Macht auf der Erde liegt inzwischen in den Händen weniger Machthaber. Offensichtlich wird durch allgemeine Ordnungen also Ungerechtigkeit gefördert.

Ein Grund für die Einführung allgemeiner Ordnungen war es, Streit zu vermindern und Frieden zu erschaffen. Jetzt wird aber heftig gestritten, wer die Ordnungen festlegen darf und wie sie geändert oder angewendet werden. Obwohl versucht wird, diese Ordnungen mit höchster Präzision zu formulieren, gibt es ständig Streit um ihre Interpretation. Gleichzeitig entsteht viel Streit, weil Menschen glauben Ansprüche durch allgemeine Ordnungen zu haben und sich folglich weniger bemühen in Frieden mit anderen Menschen zu leben. Statt Streit zu vermindern, verführen allgemeine Ordnungen somit zum Streiten.

Durch kleine Gruppen von Menschen, sogenannte „Gerichte“, sollen Streits geschlichtet werden. Vor ihnen darf jede Streitpartei genau eine Regel nennen, warum sie glaubt, die Ordnungen besser eingehalten zu haben als ihr Kontrahent. Aber das Leben ist nicht so schlicht, dass es nur einzelne Ursachen für Streits gibt. Im Gegenteil: Jeder Konflikt besteht aus nahezu unendlich vielen Aspekten, die kein Gericht alle berücksichtigen kann. Das Prinzip durch Gerichte Streits gerecht zu schlichten ist also generell nicht möglich.

Obwohl sie versuchen, neutral zu sein, bestehen sie aus Menschen, die beeinflussbar sind. Entsprechend gewinnt vor Gericht nicht derjenige, der sich besser an die Ordnungen gehalten hat, sondern der, der besser glaubhaft macht, sich an die Ordnungen gehalten zu haben. Die Entscheidungen der Gerichte sind also davon abhängig, wie gut die Streitparteien manipulieren können. Somit sind reiche, mächtige trainierte Streitparteien stets einfachen Menschen überlegen, obwohl genau das durch allgemeine Ordnungen verhindert werden sollte. Es gibt also keine Gleichheit vor Gericht.

Die Farce von Ordnungen

Heute gibt es nahezu unendlich viele Ordnungen („Gesetze“, „Vorschriften“, „Verordnungen“, „Vorgaben“, „Regeln“, „Normen“, „Richtlinien“, „Vereinbarungen“, „Verträge“, „Bedingungen“, usw.). Kein Mensch schafft es auch nur annähernd, alle Ordnungen zu kennen und zu befolgen. Nicht mal die, die für sein Leben relevant sind. Daher sucht sich jeder Mensch einfach eine Ordnung, die ihm erlaubt seine Interessen zu erreichen und wendet sie an. Bei Konflikten sollen die Gerichte klären, welche der beiden Ordnung bedeutender sei. Aber alle unterschiedlichen Ordnungen in Rangordnungen zu setzen ist unmöglich. Entsprechend entscheiden die Gerichte in freiem Ermessen, also willkürlich, welche Ordnung bedeutender sei. Aber genau diese Willkür sollte durch Ordnungen beseitigt werden.

Allgemeine Ordnungen werden versucht für die Ewigkeit zu formulieren, um irgendwann doch Frieden auf diesem Weg zu erlangen. Dennoch müssen sie ständig erweitert werden, weil Menschen Lücken in den Ordnungen finden, die sie nicht nutzen sollen. Auch entwickelt sich das Leben kontinuierlich weiter, sodass neue Situationen entstehen, die in den Ordnungen nicht berücksichtigt wurden. Zusätzlich erkennen Menschen, dass die Ordnungen nicht so funktionieren, wie sie gedacht waren. In allen diesen Fällen bedarf es einer Nachbesserung der Ordnungen. Inzwischen gibt es seit 5.000 Jahren diese Versuche mit heute nahezu unendlich vielen Ordnungen – bislang ohne Erfolg. Offensichtlich sind Menschen generell nicht in der Lage Ordnungen zu formulieren, die allgemein verwendet werden können, um Frieden zu schaffen.

Ohne allgemeine Ordnungen haben die Menschen am meisten Vorteile, die skrupellos Gewalt anwenden. Mit Ordnungen haben diejenigen den meisten Vorteile, die sie skrupellos vorgeben und ausnutzen. Diese Ordnungen sind also eine Verlagerung der Fähigkeiten, die Menschen brauchen, um Vorteile zu erlangen. An der Gesinnung von Menschen ändern sie nichts, obwohl genau das auch ein Ziel von ihnen ist.

Allgemeine Ordnungen haben also nicht für alle Menschen die gleichen Vorteile. Ob sie insgesamt für die Menschheit mehr Vor- als Nachteile haben ist unwahrscheinlich, weil sie letztlich alle Menschen unterdrücken. Viele Menschen haben das eingesehen und bereits resigniert: Sie lassen alles mit sich tun, obwohl auch genau dieses durch allgemeine Ordnungen vermieden werden sollte.

Der Betrug beim Definieren von Ordnungen

In jedem Fall basieren alle allgemeine Ordnungen nur auf Behauptungen. Es gibt weder einen Anspruch derartige Ordnungen vorzugeben noch einen Beweis für ihre Gültigkeit. Unstrittig ist jedoch, dass Menschen durch ihre Definition und Anwendung Vorteile haben. Durch einfache Ideen und Behauptungen, Vorteile zu erlangen wird allgemein als Betrug betrachtet.

Der Betrug von allgemeinen Ordnungen liegt darin, die Ordnungen so zu formulieren, dass eigenen Interessen mehr erfüllt werden als andere Interessen. Das ist einfach möglich, da Menschen unterschiedliche Interessen haben und diese nicht gleich berücksichtigt werden können. Der Vorteil die Ordnungen zu formulieren liegt mindestens in der eigenen Emotion, dieses zu können. Meist gibt es zusätzliche Vorteile, weil die eigenen Interessen verwirklicht und die anderer unterdrückt werden.

Offensichtlich wird der Betrug, weil in allen allgemeinen Ordnungen für wenige Menschen Sonderregeln formuliert werden, damit sie die Ordnung definieren, anwenden und / oder durchsetzen dürfen. Ohne diese Sonderregeln wären die Ordnungen sinnlos, weil sich niemand daran halten bräuchte (wenn er nicht will). Entsprechend gelten also nicht für alle Menschen gleiche Regeln, obwohl genau das angeblich die Basis allgemeiner Ordnungen ist.

Motivation zu betrügen und den Betrug zu unterstützen

Menschen, die eigene Ordnungen definieren und anwenden, wollen sich nicht anpassen. Sie bilden sich ein, alles besser zu können. Gegen solche Menschen kann man sich nicht wehren, da sie stets uneinsichtig sind und skrupellos ihren Willen durchsetzen. Das offenbaren die vielen Versuche von Menschen, eigene Ordnungen über natürliche Ordnungen zu stellen. Mit ihnen wird inzwischen die ganze Natur auf der Erde aus dem Gleichgewicht gebracht: Es gibt nicht nur extremen Ungleichheiten zwischen Menschen, sondern die gesamte Umwelt ist massiv geschädigt und teilweise bereits zerstört.

Menschen missbrauchen mit allgemeinen Ordnungen ihren Verstand, um sich egoistische Vorteile gegenüber ihren Mitmenschen zu verschaffen, statt selbstlos anderen zu dienen, wie sie es meist vorgeben zu tun.

Jeder Mensch, der sich an die von Menschen geschaffenen Ordnungen hält, unterstützt damit die Betrüger, die sie sich ausgedacht haben: Wenn sich Menschen nicht an diese Ordnungen halten würden, hätte auch niemand Vorteile von ihnen. Der Vorteil sich an sie zu befolgen liegt mindestens darin, nicht für ihre Missachtung bestraft zu werden. Aber die meisten Menschen hoffen, auch andere Nutzen durch die Ordnungen zu erhaschen. (Diese Hoffnung wird jedoch nur selten erfüllt, weil die Erfinder der Ordnungen meist schlauer sind und dieses verhindern.)

An diesem Betrug ändert auch nichts, weil sich heute fast alle Menschen daran beteiligen.