Umgang mit eigenem Leid

Wir allen mussten und müssen viel in unserem Leben leiden. Aber wir können die Gründe dafür verstehen und dadurch bleibenden Frieden und Wohlstand erlangen.

Gründe für Leid von Menschen

Der Sinn unseres Lebens ist, dass wir Erfahrungen machen. Also uns in unterschiedlichen Situationen selbst spüren. Entsprechend probieren wir erst etwas aus und spüren uns dann in den Folgen unserer Entscheidungen. Anschließend erleben eine vergleichbare Situation aus einer anderen Position, um auch sie zu spüren. Das kann noch im selben oder erst in folgenden Leben sein. Daher liegen die Ursachen für unser Leid oft in unseren vorherigen Handlungen.

Weiterhin müssen wir Leid ertragen, um innerlich zu reifen. Unser Ziel liegt nicht nur innerhalb unseres jetzigen Lebens. Daher haben wir Ursachen für unser Leid teilweise bereits selbst vor unserer Geburt gelegt, indem wir uns vorgenommen haben uns in ihm zu spüren.

Weiterhin bereiten wir uns durch unser Leiden auch für spätere Aufgaben vor. Sie können noch in diesem oder erst in folgenden Leben liegen.

Daher gibt es für uns Menschen keine Möglichkeit jeglichem Leid zu entkommen und wir haben auch nicht immer Schuld daran.

Entsprechend brauchen wir keine Minderwertigkeitskomplexe entwickeln, wenn uns viel widerfährt. Im Gegenteil: Es ist ein Hinweis darauf, dass wir unser Leben effektiv nutzen. Wir sammeln dann viele Erfahrungen und reifen innerlich schneller.

Wenn wir mehr als andere Menschen leiden, ist das ein Hinweis darauf, dass wir zahlreichere Leben hinter uns haben. In ihnen sind wir stark geworden viel Leid auszuhalten. Menschen, die weniger davon ertragen sind innerlich meist noch nicht so weit entwickelt.

Entsprechend sollten wir nicht an uns zweifeln, wenn uns Leid widerfährt. Jedoch sollten wir uns bei jedem von ihm Gedanken machen, wie wir in unserer Vergangenheit hätten besser verfahren können. Auch sollten wir herausfinden, wie wir uns in gegenwärtigem Leid richtig verhalten.

Indem wir danach intensiv suchen, reifen wir innerlich am meisten. Wenn wir die Ziele unseres Leids erreicht haben, befreit uns Gott von ihm.

In vielen Menschen ist ihr vergangenes Leid noch gegenwärtig

Wir alle haben in unserer Vergangenheit viel Leid erfahren. Jeder sein Individuelles, aber wir auch als Gemeinschaft und sogar als Menschheit unser Kollektives.

Die meisten von uns haben noch nicht all ihr Leid verarbeitet. Etliches schlummert weiterhin tief in unserem Unterbewusstsein. Schlimmer noch: Auch aus anderen Leben tragen wir viel von ihm in uns. Entsprechend schwer ist es für uns, uns unser vergangenes Leid überhaupt bewusst zu machen.

Viele von uns glauben daher, es irgendwie verdrängen oder verbergen zu können und gar zu müssen. Sie haben entweder nicht den Mut sich es noch mal intensiv anzuschauen oder sie bezweifeln die Möglichkeit uns von ihm zu befreien. Dann glauben sie, es gibt nur den Zwang mit ihm zu leben.

Aktuelle Probleme durch unverarbeitetes vergangenes Leid

Leider holt uns unverarbeitetes Leid irgendwann immer wieder ein. Häufig geraten wir dann beständig erneut in vergleichbare Situationen und leiden noch mal in ihnen.

Weiterhin reagieren wir oft sehr extrem, wenn uns etwas an dieses Leid erinnert. Nachdem wir zum Beispiel von einem Menschen körperlich angegriffen wurden bekommen wir meist Panik, sobald wir ähnlichen Menschen begegnen. Mindestens verhalten wir uns ihnen gegenüber dann ablehnend oder entziehen uns ihnen. Dadurch werden wir und sie einsamer. Dann sind also Menschen beeinträchtigt von etwas, für das sie meist nicht können.

Zusätzlich können wir uns in Situationen nicht frei bewegen, in denen wir uns an unser unverarbeitetes Leid erinnern. Wenn wir zum Beispiel als Kind sexuell missbraucht wurden, kann uns das auch als erwachsene Freude in Partnerschaften nehmen.

Und letztlich müssen wir unverarbeitetes Leid zusätzlich oft unterdrücken, damit es nicht wieder in unser Bewusstsein gelangt und uns erneut negative Emotionen bereitet. Das kann teilweise extrem anstrengend für uns sein, weil wir ständig vor ihm weglaufen müssen.

Wir erleben also umso mehr Nachteile, je mehr Leid wir aus unserer Vergangenheit nicht bewältigt haben. Dieses Leid lässt uns unbewusst glauben, das Leben sei gefährlich und wir könnten es nicht genießen.

Wir zweifeln auch oft an uns selbst oder haben Minderwertigkeitsgefühle, wenn wir es nicht geschafft haben unser Leid vollkommen zu verarbeiten. Das liegt daran, weil wir oft glauben unschuldig an unserem Leid zu sein oder wir halten uns für unfähig es zu vermeiden.

Im extremen Fällen kann unverarbeitetes Leid psychische Krankheiten wie Depressionen oder gar Suizidgedanken in uns auslösen die lange anhalten.

Ängste beim sich stellen des eigenen Leids

Oft wollen wir uns unser zuvor erlittenes Leid nicht noch mal anschauen. Wir haben Angst, dabei noch mal dieselben Emotionen zu bekommen, die wir bereits in unserer Vergangenheit erlebt haben.

Diese Ängste halten uns davon ab, uns selbst zu erkennen und herauszufinden, warum uns das Leid widerfahren ist. Dadurch schlummern es und unsere Ängste vor Wiederholungen weiterhin in uns.

Im schlimmsten Fall bekommen wir sogar Angst, vor unseren Ängsten. Dann sind wir vollkommen blockiert und haben kaum noch eine Chance auf ein zufriedenes Leben.

Umgang mit in der Vergangenheit erlittenem Leid

Leider gibt es für uns nur eine Möglichkeit, wie wir dauerhaften Frieden erlangen können: Wir müssen unser bereits erlittenes Leid aufarbeiten. Dafür müssen wir es uns noch mal so intensiv wie möglich anschauen. Also erneut genau dieselben Emotionen in uns zulassen, die wir bereits in diesem Leid gespürt haben.

Am besten versuchen, wir auch herauszufinden, warum wir in diese Situation gelangt sind. Oft liegt das an unserem eigenen vorherigen Verhalten. Vielleicht sind wir einer Versuchung erlegen und müssen jetzt ihre Folgen aus einer anderen Position spüren. Darum geht es im Leben: Alles ausprobieren und sich dabei selbst in unterschiedlichen Perspektiven spüren.

Wenn wir zum Beispiel ein Kind missbrauchen, gelangen wir in einem folgenden Leben selbst als Kind an Erwachsene, die uns missbrauchen. Dadurch spüren wir, wie sich der Missbrauch anfühlt. Nicht nur als Täter, sondern auch als Opfer. Jedoch verstehen wir das in dem nächsten Leben nicht, weil wir uns in ihm nicht mehr daran erinnern wie wir in diesem Leben ein Kind missbraucht haben.

Entsprechend ist es oft schwer herauszufinden, warum uns Leid widerfahren ist. Aber wir sollten Gott vertrauen, dass er einen Grund hatte, uns leiden zu lassen.

Indem wir uns unserem Leid stellen und es so intensiv wie möglich spüren, befreien wir uns von ihm. Wenn wir es hinreichend erfahren haben, wird Gott uns vor Wiederholungen von ihm beschützen. Es gibt dann für ihn schlicht keinen Grund mehr uns in diesem Punkt leiden zu lassen.

Gegenwärtiges und zukünftiges Leid effektiv nutzen

Uns fällt es schwer, ein Opfer zu sein. Aber wir müssen genau diese Erfahrung so intensiv wie möglich machen, damit wir lernen, nie wieder Täter zu sein. Daher führt Gott uns stets erneut in Situationen, in denen wir ein Opfer werden. Das wiederholt er, bis wir den verbundenen Schmerz überwunden haben, und aufhören ein Täter anderen gegenüber zu sein.

Aber wir müssen uns auch bewusst machen, dass dieser Schmerz kein Teil von uns ist. Wir erleben ihn nur. Am besten schauen wir uns den Schmerz einfach an, ohne ihn zu bewerten.

Das können wir genauso bei alltäglichen Schmerzen machen. Wenn wir uns zum Beispiel das Knie gestoßen haben, können wir uns als Opfer betrachten. Dann leiden wir doppelt: Einmal unter dem körperlichen Schmerz und zusätzlich unter der Emotion ein Opfer zu sein. Hingegen können wir schlicht den Knie-Schmerz wahrnehmen, ohne die Emotion des Opfer-Seins zuzulassen.

Wir müssen also bei allem Leid lernen, zwischen dem Schmerz und der Emotion zu trennen. Unsere Emotionen müssen wir üben zu kontrollieren und auch in schmerzlichen Situationen inneren Frieden bewahren. Gott erzeugt dafür teilweise sogar vorsätzlich unser Leid, damit wir genau das trainieren: Die eigenen Emotionen in schwierigen Situationen zu beherrschen.

Dabei bekommen wir Vertrauen in ihn, indem wir erkennen: Jedes Leid ist für uns endlich. Nachdem wir die Erfahrungen gemacht haben, für die es uns widerfährt, beschützt uns Gott vor Wiederholungen von ihm.